Impact Investing

Investieren mit Wirkung: Nachhaltige Anlagen

In Kürze

Nachhaltige Anlagen - Doppelte Wirkung. Geht das? Welche Unternehmen betreiben Impact Investing und was bedeutet es? Die Antworten finden Sie hier. Besonders gelungene Investitionen tragen auf mehrere Arten Früchte. Fünf Beispiele aus der Raiffeisen Gruppe stehen exemplarisch für den smarten Einsatz von Geld.

Publiziert am:21. November 2014

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Rubrik : Ihr Geld

Besonders gelungene Investitionen tragen auf mehrere Arten Früchte. Fünf Beispiele aus der Raiffeisen Gruppe stehen exemplarisch für den smarten Einsatz von Geld.

Einmal zahlen, zweimal profitieren: Beim nachhaltigen Geldanlegen wird oft vom «Impact Investing» gesprochen (siehe Kasten rechts). Doch gibt es das Investieren mit doppelter Wirkung auch bei strategischen Entscheidungen für ganze Unternehmensgruppen? In einer vom klassischen «Impact Investing» leicht abweichenden Form existiert dieser Ansatz tatsächlich. Erstes Beispiel: das Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ).

 

Image und Neugeschäft

Seit dem Frühling 2014 stehen in Gossau SG die Pforten im ersten von sechs geplanten Raiffeisen Unternehmerzentren offen. Auf 5 Millionen Franken beläuft sich das Stammkapital der 100-Prozent- Tochter von Raiffeisen; bei jedem weiteren Standort sind Anschubfinanzierungen erforderlich. Was verspricht sich die Bank als Ertrag? «Ein wichtiger Teil unserer Mission ist es, als Marketing- Plattform das Firmenkundengeschäft von Raiffeisen zu stärken», sagt der RUZ-Geschäftsleiter Urs Wehrle. «Der grosse Kahn Raiffeisen wird immer stärker reguliert. Wir sind das aktive kleine Schnellboot daneben, das auf unbeschwerte Art mit bestehenden und potenziellen Kunden im Kontakt steht.»

Workshops, informelle Gespräche und Beratung gehören zum Angebot. Bei der Beratung baut das RUZ auf das Konzept «Von Unternehmern für Unternehmer » – alle Experten im Netzwerk verfügen über die entsprechende berufliche Erfahrung mit eigenen Firmen. Mit der Vermittlung der Beratungsmandate generiert das Unternehmerzentrum Umsatz und es gehört zu seinen Zielen, eines Tages finanziell selbsttragend zu sein. Die wichtigere Hauptwirkung des Raiffeisen- Investments besteht jedoch darin, die Raiffeisenbanken in der Unternehmerszene stärker zu etablieren.

Das Engagement ist ein interessantes Beispiel für doppelten Ertrag. Es führt Firmenkunden näher an die Bank, fädelt «en passant» Geschäfte ein und weist Interessenten auf Raiffeisen hin. «Der Unternehmer denkt nicht ständig an die Bank. Aber wenn das Gespräch auf Finanzdienstleistungen kommt, ist Raiffeisen als möglicher Anbieter im Spiel», sagt Urs Wehrle entspannt. Mit dieser eleganten Haltung agiert das RUZ im Sinn des Investors: Es stärkt die reale Wirtschaft mit attraktiven und vergleichsweise günstigen Dienstleistungen und unterstützt Raiffeisen fast nebenbei in Kommunikation und Kundenpflege.

 

Differenzierung und Branding

Klaus Tischhauser radelte einst durch Afrika und fasste den Entschluss, das lokale Unternehmertum zu fördern. Er gründete einen Verein, aus dem sich innert elf Jahren eine explosiv wachsende Aktiengesellschaft mit heute 170 Angestellten entwickelt hat. Allein 2013 kamen 40 Angestellte hinzu. «In vielen Entwicklungsländern sind zum Beispiel Wasser- oder Stromversorgung, Bankdienstleistungen oder eine medizinische Versorgung nicht gewährleistet», sagt der Gründer und CEO von responsAbility. Statt Spenden zu schicken, investiert responsAbility in Unternehmen, die diese Leistungen als Business anbieten. Das Unternehmen verwaltet Kundenvermögen von rund 2,2 Milliarden US-Dollar.

Raiffeisen ist seit der Gründung dabei und hält eine Minderheitsbeteiligung an responsAbility. Der erste Effekt: eine Bereicherung der Produktpalette für Anlagekunden. Das um Mikrofinanz und Fairtrade erweiterte Sortiment enthält ein Instrument, dessen Wertentwicklung weitgehend von gängigen Börsenanlagen abgekoppelt ist. Die responsAbility-Fonds leisten so einen Beitrag zu soliden Kunden-Portefeuilles. Zweiter Nutzen: Raiffeisen punktet bei der nachhaltigen Entwicklung. Dieses Engagement ist für die Bank aufgrund ihrer Unternehmensphilosophie zentral. Zudem unterstützt es die Pflege der Marke Raiffeisen.

 

Hilfe und Positionierung

Die Raiffeisen-Tochter INVESTNET finanziert die Nachfolge von Unternehmen. «Ungenügende Eigenmittel des Nachfolgers sind bei der Übergabe einer Firma oft das Hauptproblem», sagt Peter Wüst, Chef von INVESTNET. Unternehmen finden vielleicht eine fachlich geeignete Person für die Nachfolge, doch dieser fehlt dann das Kapital zur Übernahme. INVESTNET hat ein neues Finanzierungsmodell entwickelt. «Wir erhalten den Free Cashflow, bis unsere Ansprüche abgegolten sind. Dann geht die Firma definitiv in den Besitz der neuen Unternehmer über», erklärt Wüst.

Vereinfacht gesagt entspricht der Free Cashflow in etwa dem Unternehmensgewinn. Die INVESTNET-Lösung deblockiert Situationen, in denen früher mögliche Nachfolgeregelungen in der Sackgasse endeten. Das Nachfolge-Thema betrifft in der Schweizer KMU-Landschaft Tausende Firmen. Deshalb weist das einzigartige Finanzierungsmodell zahlreichen Unternehmen den Weg in die Zukunft und damit löst INVESTNET ein gewichtiges Kundenproblem von KMU. Das ist der erste Effekt dieses Engagements von Raiffeisen. Die zweite Wirkung: Raiffeisen stärkt die Positionierung als Schweizer Bank für KMU und steigert damit die Attraktivität für Firmenkunden

 

Bekanntheit und Volkswirtschaft

Raiffeisen unterstützt den Fussball und ist Namenssponsor der Raiffeisen Super League, der höchsten Schweizer Spielklasse. Das erhöht die Bekanntheit, wirkt sich auf das ohnehin sympathische Image der Bank aus und positioniert die Marke. Ihren Mitgliedern kann Raiffeisen durch das «MemberPlus»-Angebot günstige Eintrittskarten bieten. Das Fussballengagement hat ebenfalls eine zweite Wirkung: «Die Raiffeisen Super League ist ein Universum aus Unternehmen, die über das reine Fussballspiel hinaus Wertschöpfung in der Gesellschaft generieren und insgesamt Tausende Jobs schaffen», sagt Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League. Die Klubs der Liga haben in der letzten Spielzeit gemäss einer Wertschöpfungsstudie von 2014 einen Umsatz von rund 800 Millionen Franken erwirtschaftet und Steuereinnahmen von etwa 42 Millionen Franken gebracht. Zudem sind rund 3300 Stellen im Umfeld der Raiffeisen Super League geschaffen worden.

 

Umwelt und Kundenbindung

Ein fünftes und letztes Beispiel: Raiffeisen hat die Klimastiftung Schweiz mitgegründet. Die Partner schenken der Stiftung ihre jeweilige Rückvergütung aus der CO2-Lenkungsabgabe und diese wiederum unterstützt Projekte von Schweizer und Liechtensteiner Firmen, die dem Klimaschutz dienen. «Das Interesse von Unternehmen, sich im Klimaschutz zu engagieren, ist riesig», sagt Vincent Eckert, Geschäftsführer der Stiftung. Die erste Wirkung des Raiffeisen- Investments definiert er so: «Dank unserer Stiftung wird der CO2-Ausstoss reduziert, sie macht KMU nachhaltiger und dient der Schweizer Volkswirtschaft. » Auch hier gibt es einen zweiten Effekt: Der Zugang zur Stiftung stärkt die Bindung mit